Anzeige
Zum Inhalt springen

Lohnt sich die Serie „The Brothers Sun“

Lohnt sich die Serie „The Brothers Sun“ (2023)

In Kürze: Ja. Für praktisch jeden.

Anzeige

In etwas mehr Ausführlichkeit:

The Brothers“ Sun ist eine Fernsehserie, die gleichermaßen Action-Komödie und Familien-Drama ist. Drama in diesem Fall als Wort, das Tiefe beschreibt. Handlung. Gefühle. Emotionen. Kein Drama, das durch langgezogenes bittersüßes Leiden führt.

Die Rahmenhandlung besteht aus dem Sohn des Chefs einer taiwanesischen Triade – Charles, gespielt von Justin Chien – der nach dramatischen(sic!) Vorfällen in Taiwan nach Los Angeles reist, um dort seine inkognito lebende Mutter – die famose und Oscar Prämierte Michelle Yeoh – und seinen seit vielen Jahren von ihm getrennten Bruder – Bruce, dargestellt von Sam Song Li zu beschützen.

Dort angekommen überschlagen sich die Ereignisse und die mehr als mysteriöse Mutter zeigt Aspekte, die weit über ihre in L.A. gelebte Rolle der alleinerziehenden Krankenschwester hinaus gehen.

Mehr wird nicht verraten, die Entwicklung der Handlung und der Personen ist viel zu wertvoll, um sie hier zu offenbaren. Nur so viel: Auch wenn Einiges nicht wirklich überrascht, folgt nichts irgendwelchen ausgetretenen Pfaden.

Erfrischend ist der Humor, ja auch die Eigenpersiflage, der taiwanesischen Familie und ihrer Widerstreiter. Hier werden Klischees mit Kultur und Historie verbunden und auch wenn es nie in klaren Worten ausgesprochen wird, ist die schwierige Geschichte Taiwans ebenso Thema wie die derzeitige geopolitische Problematik im Rahmen von Chinas Bestrebungen.

Schlicht großartig ist die Filmmusik, auch und gerade weil sie zu einem großen Teil aus nicht explizit komponierten Stücken besteht, sondern aus Liedern der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Und das nicht nur aus dem englischen Sprachbereich. Irgendjemand hat da sehr viel internationale Musikkenntnis und weiß diese exzellent umzusetzen.

Überraschend ist, wie gut die Kampfchoreographie umgesetzt ist. Bei Michelle Yeoh weiß man das ja bereits, aber auch die anderen Darsteller kämpfen glaubwürdig und, trotz teilweise wirklich derb roher Gewalt, auch unterhaltsam.

Die Kritiker sind hier überwiegend meiner Meinung und haben die Serie recht positiv aufgenommen. Die Wenigen, die Inkonsistenzen sehen, weil die Handlung „den Weg zwischen Albernheit und Ernsthaftigkeit“ nicht findet, halte ich für völlig überzogen.

The Brothers Sun erinnert im Stil teilweise an die ersten zwei Teile von „Lethal Weapon“, das aber ohne zu kopieren und durchaus im positiven Sinn. Albern ist sie selten, lustig dafür fast durchgehend. Der Humor und die Seitenhiebe auf die amerikanische und die Taiwanesisch-Chinesische Kultur lockern hervorragend das eigentlich gruselige Thema und die dunkle Welt der Tiraden auf.

Ich sollte an dieser Stelle anmerken, dass ich persönlich großen Respekt vor der Kultur Taiwans (und aller anderen asiatischen Länder) habe, die meisten grenzüberschreitenden Produktionen aber als konstruiert und mangelhaft empfinde. Auch finde ich nichts an Bruce-Lee-artigen Asia-Kampfsport-Orgien und schon gar nicht an Komödien dieser Art. Gut, Big Trouble in Little China ausgenommen 😉

The Brothers Sun ist lohnenswerte Unterhaltung und startete im Januar 2024 auf Netflix. Wann es evtl. auf anderen Plattformen verfügbar ist, kann man beispielsweise bei werstreamt.es verfolgen.